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Lingener Wasserretter üben in der Grafschaft PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Grafschafter Nachrichten   
Tuesday, 27 October 2009

Der Wasserrettungszug (WRZ) des DLRG-Bezirk Emsland/Grafschaft Bentheim führte am Sonnabend, 17. Oktober, am Vechtesee in Nordhorn und Quendorfer See in Schüttorf eine groß angelegte Übung mit 140 Einsatzkräften durch. Hierbei habe die Menschenrettung im Vordergrund gestanden, so Dietrich Irrgang (Meppen), Vizepräsident des DLRG-Landesverbandes Niedersachsen, der allen sich ehrenamtlich engagierenden Damen und Herren für ihre Höchstleistungen dankte.

Im Rahmen der ganztägigen Übung, die Ansgar Schwietering, Klaus Hilling (DLRG Lingen) und Michael Hochmann (DLRG Nordhorn) vorbereitet hatten, galt es nach einer Windhose auf dem Vechtesee in Lebensgefahr geratene Menschen zu retten. Am Quendorfer See waren nach plötzlich auftretendem Hochwasser weitere Menschen in akute Gefahr geraten.

Mit dieser Übungslage machten DLRG-Bezirksleiter Robert Otten (Lingen) und DLRG-Ortsgruppenleiter Wolfgang Stöber (Nordhorn) am runden Tisch in der DLRG-Unterkunft am Vechtesee die Vertreter von Bundespolizei, Feuerwehr, DRK, Kreisverwaltung, MHD, Polizei, Rettungshundestaffel und THW vertraut. Otten betonte dabei, dass die DLRG eine sehr wichtige Rolle im Katastrophenschutz spiele. Dies habe die Organisation nicht nur 1962 und 1976 bei den Sturmflutkatastrophen in Hamburg oder 2002 in Dresden und dem Elbehochwasser (Jahrhundertflut) bewiesen. Er stellte dabei den Landesverband mit 18 WRZ und die 17 DLRG-Ortsgruppen im Emsland und der Grafschaft Bentheim sowie dessen aus eigenen Mitteln und Spenden beschafftem Equipment vor.

Um 11.08 Uhr wurden von den Einsatzleitstellen Emsland und Grafschaft Bentheim neun der im Bezirk zum WRZ gehörenden Ortsgruppen alarmiert. Als die Einheiten aus Bad Bentheim, Emsbüren, Lingen-Holthausen, Lathen, Lingen, Meppen, Nordhorn, Papenburg und Schüttorf in verschiedenen Zeitabständen am Vechtesee eintrafen, stellte Zugführer (ZF) Ludwig Kerschbaum (Lingen) die hoch motivierten Frauen und Männer vor die verschiedensten Aufgaben. Dabei war die Menschenrettung vorrangig vor der Sachwertebergung.

 

Da hier die entsprechenden Slipp-Anlagen für die schweren Rettungsboote (RTB) fehlten, und diese im 1,5 Kilometer entfernten Klukkert Hafen zu Wasser gelassen werden mussten, wurden zunächst die leichten Boote mit Manpower in den See gehoben. Hier gelang es dann den sehr gut ausgebildeten Einsatzkräften die in Not geratenen Seglern, Surfern und Schwimmern zu retten. 20 Taucher suchten parallel bei nur handbreiter Sicht unter Wasser und zehn Grad Wassertemperatur hermetisch die Bereiche nach vermissten Personen ab. Auch die sich an den gekenterten Booten klammernden Opfer wurden gerettet und von der Sanitätsgruppe am Sammelplatz versorgt. Dabei liefen in dem aus eigener Tasche mit modernster Kommunikationstechnik ausgestatteten Einsatzleitwagen alle Fäden zusammen.

 

Klaus Hilling und sein Team demonstrierten an einem sandigen Seeuferbereich, wie von den Tauchern mit Folien und Sandsäcken gegen die Strömung Deichsicherung durchgeführt wird. Hier kristallisierte sich die langjährige Einsatzerfahrung heraus, die die DLRG-Einsatzkräfte bei den verschiedensten Hochwassereinsätzen in der Zusammenarbeit mit Bundeswehr, Feuerwehr und THW gesammelt hatten.   

 

Nachdem die Einsatzbereitschaft für alle Fahrzeuge und Geräte wieder hergestellt war und sich die sehr stark in Anspruch genommen Frauen und Männer mit den vom DRK Bad Bentheim/Gildehaus gereichten Portionen mit Nudeln mit Gulasch gestärkt hatten, kam der Alarm für die zweite Übungslage. Der WRZ wurde an die Quendorfer See verlegt, um hier durch das plötzliche Hochwasser gefährdete Menschen zu retten. Angenommen wurde, dass ein Fahrzeug in den Fluten versunken war, ein angrenzendes Altenwohnheim und eine von den Wassermassen eingeschlossene Gruppe evakuiert werden mussten. Personen, die sich an Bäumen klammerten, sollten aus dem Gefahrbereich gerettet werden.

 

Die Taucher orteten schnell das Auto im See (ein ausgeschlachteter Pkw ohne jegliche wassergefährdende Stoffe), sicherten es mit Halteleinen und retteten Fahrer sowie Beifahrer, die bis dahin in der Luftblase im Innenraum geatmet hatten. Ebenso wurden von den Fluten mitgerissenen Fässer mit Öl und Farben geborgen. Diese wurden von der Feuerwehr Schüttorf in sichere Behältnisse eingebracht. Das Auto wurde mit der Winde des Rüstwagens an Land gezogen. Ebenso reibungslos verlief auch die Menschenrettung.  

 

Im Rahmen der anschließenden Manöverkritik sprachen Klaus Hilling, Michael Hochmann, Ludwig Kerschbaum und Ansgar Schwietering allen Einsatzkräften sowie den die Opfer spielenden Mimen aus Bad Bentheim und Lingen ein dickes Lob aus. Auch künftig wolle man die Zusammenabreit aller Organisationen im Katastrophenschutz auf hohem Niveau betreiben. Sie bemängelten neben kleineren, aber nicht gravierenden Fehlern, dass zu wenig Funkgeräte vorhanden sein und am Vechtesee die großen RTB nicht schnell genug ins Wasser gebracht werden könnten, da dort geeignete Slipp-Anlagen fehlten. „Perfekt verläuft eine Übung nie, aber sie sind dazu da, um Mängel aufzudecken, die dann abgestellt werden können!“, so die Verantwortlichen. Schüttorfs Feuerwehrchef Jörg Böttick betonte: „Wir sind beeindruckt, mit welcher Ruhe die DLRG-Einsatzkräfte vorgegangen sind und wie reibungslos der Einsatz abgelaufen ist. Es hat Spaß gemacht, mit euch zusammenzuarbeiten!“.

Letztes Update ( Tuesday, 27 October 2009 )
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